Nationale Minderheiten

In Deutschland leben Angehörige von vier nationalen Minderheiten, die hier seit Jahrhunderten traditionell heimisch und deutsche Staatsbürger sind, die aber eine andere Muttersprache und Kultur haben. Dies sind die dänische Minderheit, die friesische Volksgruppe, das sorbische Volk und die deutschen Sinti und Roma.

Ihre Sprachen (Dänisch, Nord- und Saterfriesisch, Romanes, Ober- und Niedersorbisch) werden ebenso wie die Regionalsprache Niederdeutsch durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt.

Ich bekenne mich uneingeschränkt zu der Charta und setze mich für den Schutz und die Förderung der nationalen Minderheiten ein.

Als Kind von Vertriebenen aus der Grafschaft Glatz (polnisch Hrabstwo Kłodzkie) in Schlesien bin ich zweisprachig aufgewachsen. Innerhalb der Familie und Verwandtschaft war der Grafschafter Dialekt unsere und auch meine Muttersprache. Der Dialekt ist keine eigenständige Sprache, es ist ein deutscher Dialekt, den die Nachbarn in Westfalen allerdings nicht verstanden. Es wurde nicht gern gesehen, wenn wir Kinder ihn untereinander verwendeten. Als Vertriebene waren wir ohnehin nicht willkommen. Ich merke an mir, wie meine „Muttersprache“ immer mehr verblasst. Nach meiner Generation wird es sie kaum noch geben. Da aber kulturelle Eigenarten besonders mit der Sprache verbunden sind, ist der Verlust jeder Sprache und jeden Dialektes ein Verlust an Kultur.
Ich kann den Kampf der Sorben/Wenden in unserer Region um ihre Sprache und kulturelle Identität sehr gut verstehen.
Stirbt die Sprache, stirbt die Verknüpfung zur kulturellen Identität. Das darf nicht passieren.