Frauen und Männer

Es gibt Bereiche, bei denen noch erheblicher Nachholbedarf bis zur echten Gleichstellung von Frauen und Männern besteht.
Die Emanzipationsbewegung der Frauen hat viele Verbesserungen erkämpft, aber noch immer kann von wirklicher Gleichstellung nicht die Rede sein. Das beginnt bei der ungleichen Bezahlung für die gleiche Arbeit und hört bei Aufstiegsmöglichkeiten noch nicht auf.
Ich bin kein großer Anhänger von zu vielen Reglementierungen, hier ist das aber dringend notwendig.
Es lässt sich vortrefflich und medienwirksam über Frauenquoten in den Führungsetagen der 30 oder so DAX-Unternehmen diskutieren. Viel wichtiger sind aber die Frauen, die den als typisch weiblich angesehenen Berufen arbeiten. Dazu gehören der Einzelhandel, z.B. das Friseurhandwerk und Tätigkeiten in der Pflege. Das sind nur einige Beispiele. Die Bezahlung liegt besonders bei diesen Bereichen kaum über dem Mindestlohn und mehrheitlich sind Frauen betroffen.

Nun habe ich heute erfahren, dass sogar der Mindestlohn indirekt umgangen wird. Eine Bekannte erzählte mir von dem ersten Arbeitsvertrag ihrer Tochter als Altenpflegerin. Die Arbeitszeit beträgt wöchentlich 32 Stunden zum Mindestlohn, also keine Vollzeitstelle. In einer Zusatzklausel ist eine Vereinbarung festgeschrieben, dass die Arbeitnehmerin bei Bedarf bis zu 10 Stunden im Monat ohne Bezahlung zusätzlich arbeiten muss. Im Einzelhandel scheint das auch Gang und Gäbe zu sein. Meine Bekannte war richtig wütend, aber ihre volljährige Tochter hatte den Vertrag bereits unterschrieben.
Offenbar ist diese Klausel legal, sie dürfte aber nach meinem Rechtsempfinden nicht legal sein.

Bei Führungskräften und in bestimmten Berufszweigen macht eine Klausel in der Art Sinn und ich hatte das auch in einem Arbeitsvertrag. Im Pharmaaußendienst war es selbstverständlich, Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Wenn das bis Mitternacht dauerte, wurde das nicht extra honoriert. Allerdings war das Einkommensniveau mit dem Einkommen einer Pflegekraft absolut nicht vergleichbar. Und wir hatten viele Freiheiten. Wenn ich um 14:00 Uhr zum Geburtstag eines meiner Kinder zu Hause sein wollte, dann war ich um die Zeit zu Hause. Eine Abhängigkeit von einer Stechuhr gab es nicht.
Das sind folglich zwei vollkommen unterschiedliche berufliche Welten.

Zurück zur Emanzipation der Frauen und deren erkämpften Erfolgen. Etwas fehlt noch, das ist die Emanzipation der Männer. Da liegt noch viel im Argen. Das archaische Rollenverständnis ist noch immer tief verwurzelt, denn es wurde einem großen Teil der Männer von Kindesbeinen an vermittelt. Käme es hier zu einem Umdenken, wäre das vermutlich einer der größten Schritte zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Nicht alle Bereiche lassen sich mit Gesetzen regeln, die Barrieren in den Köpfen müssen fallen.

Ein Bereich, der überwiegend Frauen betrifft, ist häusliche Gewalt. Gesetze stellen das zwar unter Strafe, bei der sehr hohen Dunkelziffer greifen gesetzliche Regelungen gerade dort aber nicht.
Es muss genügend Frauenhäuser zum Schutz und als Fluchtpunkt der betroffenen Frauen und Kinder geben. An finanziellen Mitteln dürfen sie nicht scheitern. Es ist ohnehin ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass Frauenhäuser überhaupt benötigt werden.

Alle müssen darauf hinwirken, dass Gewalt an Frauen und Kindern öffentlich geächtet wird!
Das könnte dazu führen, dass weit mehr betroffene Frauen den Mut haben, sich zu wehren.

... und wenn immer wieder die gleichen Frauen ihre geschwollenen Augen mit einer Sonnenbrille verdecken und blaue Flecken im Gesicht vom angeblichen Stoßen am Küchenschrank stammen, müssen die Alarmsirenen aufheulen.