Ich möchte zum Nachdenken anstoßen, auch mit Visionen, die 'unmöglich' erscheinen.
Erläuterungen zum Grundeinkommen


Visionen sind immer ein Anstoß zum Nachdenken, Nachrechnen, Überlegen ob vielleicht doch ….
Das Nachdenken funktioniert aber nur, wenn man nicht sofort innere Mauern aufbaut, die das verhindern.

Ich möchte zum Nachdenken anstoßen, auch mit Visionen, die radikal und 'unmöglich' erscheinen. Hier geht es um meine Vision eines
Grundeinkommens.

Seit ich das veröffentlicht habe, kam es zu vielen Gespräche darüber mit unterschiedlichen Menschen aus vielen Berufsschichten und auch mit Arbeitslosen und HARTZ IV Empfängern.
Sehr oft war die erste Reaktion Ablehnung, die perfide Stigmatisierung von Menschen ohne Arbeit durch die Politik mit Hilfe willfähriger Medien seit der Agenda 2010 hat funktioniert.
„Wer arbeiten will, findet auch Arbeit“, „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ und so weiter. Sie kennen das.
Erlauben Sie mir, über die mir gestellten Fragen und meine Antworten zu schreiben und überlegen Sie dann ganz genau.

„Dann würde ja kein Mensch mehr arbeiten“
Auf die Frage, ob sie weiter arbeiten möchten :“Selbstverständlich!“ Auf meine Frage, warum sie denn davon ausgingen, dass nur sie weiter arbeiten möchten und alle sonst nicht, gab es Nachdenken. Auch meine Bemerkung, dass Euro 950,- nicht gerade ein fürstliches Leben ermöglicht, wurde positiv aufgenommen.

„Sollen das Grundeinkommen auch die erhalte, die sehr gut verdienen?“
Ja, es sollen alle 61,5 Millionen Wahlberechtigte erhalten. Also alle deutschen Staatsbürger, die volljährig sind und auch die Erwachsenen, die wegen einer geistigen Behinderung einen Vormund haben und deshalb nicht wahlberechtigt sind.

„Warum auch die gut Verdienenden?“
Ich möchte alle Bürgerinnen und Bürger mitnehmen. Das geht nur, wenn es keinen Ausschluss abhängig vom Einkommen gibt. Die Frage, warum gerade die Besserverdienenden die Armen „durchfüttern sollen“, erübrigt sich.
Es darf auch nicht vergessen werden, dass die gut Verdienenden einen deutlich höheren Anteil am Steueraufkommen erbringen als die, die wenig verdienen. Es darf zusätzlich nicht vergessen werden, dass die sogenannten Besserverdienenden ganz besonders aktiv als Sponsoren sind. Ich wollte einmal eine Artikelserie über Sponsoren schreiben und bin damit gescheitert. Die Sponsoren wollten das nicht, ein großer Teil engagiert sich lieber im Stillen. Ohne Sponsoren gäbe es viele Veranstaltungen nicht. In Forst (Lausitz), der Stadt in der ich lebe, nenne ich einige Veranstaltungen. Ohne sie gäbe es weder Steherrennen, noch ein Sattelfest, die Rosengartenfesttage wären sparsamer ausgerichtet und es gäbe nicht einmal einen Weihnachtsmarkt. Bei den Sportvereinen, die eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen, sähe es ebenfalls sehr traurig aus. In anderen Kommunen sieht es nicht anders aus.

„Wer soll das denn bezahlen?“
Bei meiner Vision steht eine Berechnung. Wie in den Medien zu entnehmen war, werden im Bundeshaushalt 2016 ca. 900 Milliarden für den Bereich Soziales veranschlagt. Nach meiner Rechnung kostet meine Variante des Grundeinkommen ca. 774 Milliarden einschließlich Kindergeld. Es ist also nur eine Umschichtung der Mittel. Außer Kindergeld werden sonstige Leistungen inklusive HARTZ IV abgeschafft. Die Sozialämter bleiben erhalten und kümmern sich um die, die nicht erreicht werden; (z.B. Obdachlose, die es nicht anders möchten) und um die Asylbewerber.

Was hätte ein Grundeinkommen für Vorteile?
Das perfide System HARTZ IV mit den ständigen Sanktionsdrohungen gäbe es nicht mehr. Es ist ein Unsinn, wenn eine 55-jährige HARTZ IV Empfängerin 3 Mal im Monat eine Bewerbung absenden muss (immer mit einer Sanktionsdrohung, wenn sie es nicht tut). Sie weiß, dass sie kaum eine Chance hat und die Unternehmen nervt es. Druck auszuüben, um die Leistung zu steigern, war schon immer der denkbar schlechteste Führungsstil. Das ist auch bei dem System HARTZ IV so. Es macht Menschen nur krank. Ist es etwa eine Errungenschaft unserer Gesellschaft, wenn laut Statistiken langjährige HARTZ IV Empfänger deutlich früher sterben?

Menschen in Beschäftigungsverhältnissen, die nur 30 oder 32 Stunden zum Mindestlohn umfassen, wäre die Existenzangst genommen.
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich erfahren, dass sogar der Mindestlohn indirekt umgangen wird. Eine Bekannte erzählte mir von dem ersten Arbeitsvertrag ihrer Tochter als Altenpflegerin. Die Arbeitszeit beträgt wöchentlich 32 Stunden zum Mindestlohn, also keine Vollzeitstelle. In einer Zusatzklausel ist eine Vereinbarung festgeschrieben, dass die Arbeitnehmerin bei Bedarf bis zu 10 Stunden im Monat ohne Bezahlung zusätzlich arbeiten muss. Im Einzelhandel scheint das auch Gang und Gäbe zu sein. Meine Bekannte war richtig wütend, aber ihre volljährige Tochter hatte den Vertrag bereits unterschrieben.
Offenbar ist diese Klausel legal, sie dürfte aber nach meinem Rechtsempfinden nicht legal sein.

RentnerInnen mit einer Rente von vielleicht Euro 600,- müssten nicht mehr beim 'Amt' betteln. Viele tun es aus Scham ohnehin nicht und wurschteln sich so durch.

Ohne den ständigen Druck wären Bürgerinnen und Bürger gesünder (Kosten im Gesundheitswesen sinken), motivierter und würden weitaus weniger Fehler machen. Das käme auch den Arbeitgebern zugute.

Die Arbeitgeber, die meinen, Druck sei das beste Mittel der Motivation, müssten allerdings umlernen. Sie hätten Probleme, Arbeitskräfte zu finden.

Mit Ausnahme eines geringen Anteils, die einfach nicht arbeiten möchten (gab es schon immer und wird es immer geben, die darf aber eine gesunde Gesellschaft nicht verhungern lassen), möchten Menschen etwas Sinnvolles tun.

Zum Schluss noch ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Durch das mehr Geld in der Tasche würde auch mehr ausgegeben. Das wiederum käme dem Handel zugute und schafft Arbeitsplätze.

Wenn Sie Fragen haben, fragen Sie. Ich antworte immer individuell und so schnell wie es mir möglich ist. Denken Sie aber bitte vorher genau nach ohne vorgefertigte Vorurteile oder Mauern im Kopf.

Foto © Avij, veröffentlich bei wikipedia.org als gemeinfreies Foto